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Lithiumfett, Lithium-Komplex und Aluminium-Komplex: welches Fett wofür?

Wodoil Redaktion6 Min. Lesezeit

Wenn du auf das Etikett einer Fettkartusche schaust, wirst du höchstwahrscheinlich „EP2" oder „Mehrzweckfett EP 2" lesen. Was dir an Info fehlt, ist, ob das Fett auf Lithium-, Lithium-Komplex- oder Aluminium-Komplex-Seife basiert.

Genau dieser Unterschied kann entscheidend sein, wenn Radlager regelmäßig mit Wasser, Schmutz oder Hochdruckreinigung in Kontakt kommen.

„EP2" beschreibt nur zwei Dinge: die Konsistenz (Klasse 2 nach NLGI, dem National Lubricating Grease Institute, der US-amerikanischen Fachorganisation für Schmierfette) und dass Hochdruck-Additive drin sind (EP steht für Extreme Pressure, Hochdruck-Zusätze gegen Fressverschleiß bei hoher Punktbelastung).

Über die Seifenbasis, also den eigentlichen Verdicker, der aus flüssigem Öl ein festes Fett macht, sagt EP2 gar nichts. Und die Seifenbasis ist der Teil, der über Wasserbeständigkeit, Hitzefestigkeit und Haltbarkeit entscheidet.

Dieser Ratgeber klärt, welche drei Seifenbasen es in der Praxis gibt, was sie unterscheidet und welches Wodoil-Produkt zu welcher Anwendung passt.

Was steckt eigentlich hinter „NLGI 2"?

NLGI-Klassen beschreiben, wie fest oder weich ein Fett ist, gemessen über die sogenannte Penetration (wie tief ein genormter Kegel in einer bestimmten Zeit in das Fett einsinkt).

Die Skala reicht von NLGI 000 (fast flüssig, für Zentralschmieranlagen) bis NLGI 6 (steinhart, für Spezialanwendungen). NLGI 2 ist der Standard für die meisten Wälzlager, Kugellager und Gelenke, cremig-fest, mit einer Konsistenz vergleichbar mit fester Zahnpasta.

Parallel dazu klassifiziert die deutsche Norm DIN 51825 Schmierfette nach einem Kurzzeichen-System, das NLGI-Klasse, Basisöl-Typ und Einsatztemperaturbereich zusammenfasst.

Beide auf Wodoil aktuell im Sortiment geführten Referenzfette, Hochleistungsfett Lithium EP 2 und Aluplex 781, tragen laut Produktdatenblatt die Kennzeichnung DIN 51825 KP2R-30, beide also NLGI-Klasse 2 mit Einsatz ab minus 30 Grad Celsius. Trotz identischer Kennzeichnung sind die beiden Fette chemisch grundverschieden, und genau darum geht es in diesem Artikel.

Lithiumfett: der Alltags-Standard

Lithiumfett ist die mit Abstand am häufigsten verkaufte Fettsorte weltweit, und das ist kein Zufall. Die Seifenbasis (Lithium-12-Hydroxystearat, ein Lithiumsalz einer Fettsäure) lässt sich günstig herstellen und ist mit den meisten anderen Fettsorten mischbar und deckt die überwiegende Mehrheit der Standardanwendungen ab.

Typische Eigenschaften von reinem Lithiumfett

  • Guter Allround-Verschleißschutz bei normaler bis mittlerer Belastung
  • Ordentliche, aber nicht herausragende Wasserbeständigkeit
  • Einsatztemperatur üblicherweise bis rund 120 bis 140 Grad Celsius im Dauerbetrieb, kurzfristig etwas mehr
  • Preislich die günstigste der drei Seifenbasen

Wofür Lithiumfett bei Wodoil in Frage kommt: Wälzlager an Landmaschinen, Baumaschinen-Gelenke, Kfz-Radlager, allgemeine Schmierstellen an Industrieanlagen.

Wodoil-Produkte auf Lithiumbasis

  • Ep-Fett Lithium 2, das preisgünstige Mehrzweckfett für den Alltag, in Gebinden von 400 Gramm bis 180 Kilogramm
  • Hochleistungsfett Lithium EP 2, mit erweitertem Additivpaket für Landmaschinen, Baumaschinen und Industrieanlagen, Einsatzbereich minus 30 bis plus 160 Grad Celsius
  • Ep-Fett Lithium 3, die festere NLGI-3-Variante für Zentralschmieranlagen mit langen Leitungswegen oder für Lagerstellen, bei denen ein weicheres Fett wieder herausgedrückt würde

Lithium-Komplex: die Antwort auf hohe Temperaturen

Lithium-Komplex-Fett ist chemisch verwandt und ähnlich zu einfachem Lithiumfett, enthält aber zusätzlich eine Komplexbildner-Komponente in der Seife.

Der Effekt: Der Tropfpunkt (die Temperatur, bei der das Fett vom festen in den flüssigen Zustand übergeht und aus dem Lager läuft) liegt deutlich höher als bei einfachem Lithiumfett, oft im Bereich von 260 Grad Celsius statt rund 180 Grad bei Standard-Lithiumfett. Auch die mechanische Stabilität unter Last ist besser.

Der Unterschied zu Standard-Lithiumfett: Lithium-Komplex-Fett ist in der Herstellung aufwändiger und dadurch teurer als einfaches Lithiumfett. Es lohnt sich vor allem dort, wo Standard-Lithiumfett an seine Temperaturgrenze kommt, etwa bei Radlagern mit starker Bremshitze, Motorlagern im Dauerbetrieb oder Hochtemperatur-Industrieanlagen.

Aluminium-Komplex: die Antwort auf Wasser und Extrembedingungen

Aluminium-Komplex-Fett ist ein Schmierfett mit einer Aluminium-Komplex-Seife als Verdicker. Diese spezielle Seifenbasis macht das Fett besonders widerstandsfähig gegen Wasser. Genau darin liegt sein größter Vorteil gegenüber klassischen Lithium- oder Lithium-Komplex-Fetten: Es bleibt auch bei häufigem Wasserkontakt, Nässe oder Reinigung mit dem Hochdruckreiniger deutlich zuverlässiger an der Schmierstelle.

Bei Wodoil ist das die Aluplex-Reihe. Laut Produktbeschreibung ist Aluplex 781 ein Aluminium-Komplexseifenfett, ausgelegt für schwierigste Betriebsbedingungen, Heißlager-Anwendungen und Umgebungen mit Wasser-, Säure- und Laugenexposition. Die DIN-Kennzeichnung ist identisch zu Lithiumfett (KP2R-30), die Chemie dahinter aber komplett anders.

Typische Einsatzfelder für Aluminium-Komplex-Fett

  • Radlager und Fahrwerkslager an Fahrzeugen und Anhängern mit starkem Wasserkontakt (Straßenreinigung, Kommunaldienst, Landwirtschaft im Nassbereich)
  • Lager an Waschanlagen und Anlagen, die regelmäßig mit dem Hochdruckreiniger gesäubert werden
  • Schiffs- und Hafentechnik mit direktem Wasser- oder Salzwasserkontakt
  • Anlagen mit Kontakt zu Säuren oder Laugen, etwa in der Reinigungstechnik

Wodoil-Produkte auf Aluminium-Komplex-Basis

  • Aluplex 781, das Standard-Aluminium-Komplexfett für wasserintensive Anwendungen, in Gebinden von 400 Gramm bis 180 Kilogramm
  • Aluplex 992, die zweite Aluplex-Variante im Sortiment, für vergleichbare Einsatzfelder

Welches Fett für welche Anwendung?

Praxis-Zuordnung, wie sie im Wodoil-Fachlager verkauft wird:

AnwendungEmpfohlene FettfamilieWodoil-Produkt
Wälzlager, Kugellager allgemein, trockene UmgebungLithiumfettEp-Fett Lithium 2
Landmaschinen- und Baumaschinen-GelenkeLithiumfett, verstärktes AdditivpaketHochleistungsfett Lithium EP 2
Zentralschmieranlage mit langen LeitungswegenLithiumfett, NLGI 3Ep-Fett Lithium 3
Radlager mit häufigem WasserkontaktAluminium-KomplexAluplex 781
Anlagen mit Hochdruckreiniger-KontaktAluminium-KomplexAluplex 781
Extremhitze über 200 Grad Celsius im DauerbetriebLithium-Komplex (Spezialbeschaffung)Rückfrage bei der Fachberatung
Batteriepole, elektrische KontakteSpezialfett, nicht Lithium oder Aluminium-KomplexPolfett V Plus
Drahtseile, SeilzügeSpezialfluid, keine klassische KartuscheSun-Drahtseilfluid

Kann man die drei Fettsorten mischen?

Theoretisch ja, aber mit Vorsicht. Wenn du dir aber unsicher bist, lass es im Zweifel. Lithiumfett und Lithium-Komplex-Fett sind sich chemisch nah genug, dass eine gelegentliche Vermischung meist nicht viel ausmacht, wobei die Eigenschaften des besseren Fetts dann verwässert werden.

Die richtige Reihenfolge beim Fettkauf: zuerst die Betriebsbedingung klären (Wasser, Hitze, Standardbetrieb), dann die passende Seifenbasis wählen, und erst danach auf die NLGI-Klasse und Gebindegröße schauen. Wer nur auf „EP2" achtet und den Rest ignoriert, trifft im Regelfall keine falsche, aber auch keine optimale Entscheidung.

Den Fehler, den die meisten Betriebe machen

Den Fehler, den die meisten Unternehmen machen, ist, dass sie Fett kaufen mit dem Aufdruck "EP2" auf der Kartusche, ohne die Seifenbasis zu prüfen. Für die überwiegende Mehrheit der Anwendungen ist das auch unproblematisch, weil Standard-Lithiumfett tatsächlich für die meisten Schmierstellen ausreicht. Kritisch wird es erst bei zwei Randbedingungen, die auf der Kartusche eben nicht draufstehen: viel Wasserkontakt oder dauerhaft hohe Temperatur.

So findest du dein passendes Fett bei Wodoil

Wodoil führt Schmierfette auf Lithiumbasis für den Alltag (Ep-Fett Lithium 2, Ep-Fett Lithium 3), mit verstärktem Additivpaket für Land- und Baumaschinen (Hochleistungsfett Lithium EP 2), sowie auf Aluminium-Komplex-Basis für wasserintensive und extreme Anwendungen (Aluplex 781, Aluplex 992). Dazu Spezialfette für Batteriepole (Polfett V Plus) und Seilzüge (Sun-Drahtseilfluid).

Wenn du unsicher bist, welches Fett zu deiner Anwendung passt, schick uns kurz die Betriebsbedingung (Wasserkontakt, Temperatur, Belastung), oder ruf uns direkt an. Ein Wodoil-Fachberater sagt dir, welches Produkt in welchem Gebinde passt. Telefonisch erreichst du uns unter +43 1 218 39 70, montags bis freitags von 8:00 bis 17:00 Uhr. Per E-Mail schreib uns an verkauf@wodoil.at, die Antwort kommt üblicherweise innerhalb eines Werktags. Beratung ist kostenlos.

Quellen

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